Maren Schneider
schrieb am 15. April 2026 um 16.14 Uhr
Lieber Herr Heiburg,
mit großer Traurigkeit habe ich erfahren, dass Sie kürzlich verstorben sind.
Sie waren einer meiner Lieblingslehrer — auf Ihre ganz eigene, sonderbare, aber unverwechselbare Art. Gerade Ihr Französischunterricht ist mir bis heute in Erinnerung geblieben. Obwohl ich die Sprache heute kaum noch spreche, habe ich durch Sie erstaunlich viel behalten. Ihre unkonventionelle Art zu unterrichten war etwas ganz Besonderes und hat sich tief eingeprägt.
Unvergessen sind mir die vielen lustigen und besonderen Momente in Ihrem Unterricht: wenn wir mit Stühlen sprechen mussten oder uns gegenseitig durch den Klassenraum jagen sollten, um auf Französisch „au secours“ zu rufen. Oder Ihr Satz zu mir: „Maren, das ist ja keine Sechs mehr. Das ist ja schon eine Acht.“ Dieses Zitat kennt sogar mein Sohn, weil ich es ihm erzählt habe, als es um die Wahl seiner zweiten Fremdsprache ging. Er fand das so komisch, dass dieser Satz bis heute bei uns weiterlebt.
Auch Ihre erzieherische Art war einzigartig. Einmal schickten Sie mich, weil ich im Unterricht gestört hatte, vor die Tür — aber nicht einfach nur hinaus. Ich sollte erst zum Schulleiter gehen und ihm sagen, dass ich aus dem Unterricht geflogen war. Als er nicht da war bin ich wieder zu ihnen hochkommen. Dann schickten Sie mich wieder runter zur Schulsekretärin, damit ich zu Hause anrufen könne, um meinen Eltern zu sagen, dass ich rausgeschmissen worden sei und nun nach Hause käme. Frau Wahlbaum schaute und sagte grinsend : „Ach ja, Herr Heiburg.“ Am Ende war die Stunde ohnehin fast vorbei. Rückblickend war selbst das auf eine liebevolle und sehr eigene Weise komisch und bleibt mir bis heute in Erinnerung.
Und dann war da noch Ihre Diagnose meiner „Verhaltensstörung“, weil ich ihrer Ansicht nach an den falschen Stellen lachte. Sie erzählten etwas dramatisch, und ich musste gerade deshalb lachen. Daraufhin sagten Sie: „Maren, du lachst an den falschen Stellen, das ist ja ein gestörtes verhalten…Du bist ja verhaltensgestört.“
Danach konnten Alex und ich uns vor Lachen kaum noch beruhigen, und Sie saßen da, warteten geduldig und fragten zwischendurch trocken, ob es denn wieder ginge — was natürlich alles nur noch schlimmer machte. Wir haben in Ihrem Unterricht so viel gelacht.
Sie waren wirklich ein guter Lehrer. Einer, der Eindruck hinterlassen hat. Einer, den man nicht vergisst.
Es macht mich traurig, dass ich Ihnen all das nicht noch einmal persönlich sagen konnte. Wie so oft im Leben merkt man manchmal erst dann, dass man etwas noch gern ausgesprochen hätte, wenn es zu spät ist.
Ich hoffe, dass es Ihnen gut geht, dort, wo Sie jetzt sind.
Repose en paix
Ihre Schülerin
Maren
Mein aufrichtiges Mitgefühl gilt seiner Familie und allen, die ihm nahestanden.
Ich wünsche Ihnen viel Kraft für die diese schwere Zeit und dass die Erinnerung an ihn Ihnen Trost schenken kann.